Tunesische Landschildkröte

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  Tunesische Landschildkröte, Testudo graeca nabeulensis, frisch importierte Schildkröten

Tunesische Landschildkröten

Frisch importierte Schildkröten
oder Tiere aus schlechter Haltung

 


Bitte verzeihen Sie mir die wirklich harten Worte auf dieser Seite, aber aus gegebenem, traurigem Anlass möchte ich noch(einmal) einige sehr wichtige Punkte erläutern.

Leider erlebe ich es immer wieder, daß diese kleinen Schildkröten von ihren "Importeuren" (den Tunesien-Urlaubern) auf das sträflichste vernachlässigt und behandelt, nein besser: misshandelt werden.
Manchmal scheint es mir regelrecht, den Menschen fehlt es nicht nur an Kenntnissen über Reptilien allgemein und Schildkröten im Speziellen, sondern ihnen fehlt jegliches Gefühl für diese Tiere.

Die sträflichsten Fehler, die mir jedoch leider ständig begegnen, möchte ich hier noch einmal klar und deutlich zum Ausdruck bringen:

1. Verstoss gegen die Artenschutz-Gesetze:

Der größte Fehler überhaupt ist schon mal der, eine solche Schildkröte überhaupt aus Tunesien mit nach Deutschland/Europa zu bringen. Dies bedeutet einen Verstoss gegen die geltenden nationalen und internationalen Artenschutzbestimmungen (Washingtoner Artenschutzübereinkommen, EG-Verordnung zum Schutz von Wildtieren). Dieser Verstoss ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung. In dem Augenblick, wo Sie das Tier/die Tiere in Tunesien an sich nehmen und damit in das Flugzeug steigen, machen Sie sich bereits strafbar, denn die Gesetze schreiben vor, daß artengeschützte Tiere oder auch Teile davon (z. B. Aschenbecher oder andere Behälter aus Panzer/Panzerteilen!) sowie deren Eier nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum entfernt werden dürfen. Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Geld- oder Gefängnisstrafen geahndet.

 

2. Wassermangel:


Eine verstorbene Tunesische Landschildkröte:
20% Untergewicht wegen Wassermangel.
Todesursache: multiples Organversagen!
 


Auch wenn diese Schildkröten aus einem recht trockenen Klimabereich kommen: wie alle Lebewesen brauchen auch sie dringend Wasser. Ohne Wasser kann der Stoffwechsel nicht funktionieren. Ohne Wasser können die Organe und das Gehirn ( Nervensystem) nicht arbeiten. Ohne Wasser ist die Ausscheidung von Abfallstoffen nicht möglich. Ohne Wasser würden die Schildkröten regelrecht innerlich austrocknen und sich selbst mit Abfallstoffen vergiften!
In freier Natur steht ihnen Wasser in Form von Regenpfützen und vor allem in Form von Tau zur Verfügung. Täglich! Natürlich enthalten ihre Futterpflanzen Wasser. Manche Tiere nützen auch die Bewässerungssysteme der Bauern.

Unter natürlichen Bedingungen haben diese Schildkröten im Laufe der Jahrmillionen "Techniken" entwickelt, die es ihnen ermöglichen, die sommerliche Trockenperiode auch unter schwierigsten Bedingungen gut zu überstehen. Sie können Wasser nicht nur durch Trinken aufnehmen, sondern auch über die Haut und über die Kloake. Ihre Urinblase arbeitet quasi wie ein super gut funktionierendes Recyclingsystem. In der Blase angesammelter Urin kann über die Blasenwand -gefiltert- dem Körper wieder zurück gegeben werden (Rück-Resorbtion). Das selbe Wasser steht so dem Organismus mehrfach zur Verfügung. Unter natürlichen Bedingungen in freier Natur klappt das hervorragend!

Welche Bedingungen haben aber die Schildkröten, die auf den tunesischen Souks angeboten werden? Sie sitzen zu mehreren/vielen dicht gedrängt in nackten Kisten. Sie erhalten dort in der Regel weder Futter noch Wasser. Sie haben dort keine Verstecke, in die sich die verängstigten Tiere zurück ziehen können und die Sonne brennt unbarmherzig auf ihre kleinen Panzer. Sie werden ständig von neugierigen und "mitleidigen" Touristen hochgehoben, gedreht, gewendet, wieder abgesetzt und schließlich gekauft. Der Tourist ist natürlich nicht auf die Haltung einer Schildkröte eingestellt. Die Tiere sitzen abermals unter provisorischen und widrigsten Bedingungen in den Hotelzimmern. Letztendlich landen sie, gut durchgeschüttelt, per Flugzeug in Deutschland. In engste Behältnisse gequetscht, denn sie dürfen ja vom Zoll nicht entdeckt werden... Das alles ist hochgradiger Stress für die Tiere!
Was aber macht eine Schildkröte bei akutem Stress? Sie pinkelt. Sie entleert vor Angst ihre Blase. Damit verliert ihr wertvolles Wasser-Recyclingsystem seine Wirkung! Wasser muß also möglichst bald nachgetankt werden, damit der Organismus leben und arbeiten kann.
Nun gibt es aber leider immer wieder völlig hirnlose Menschen, die den Tieren keinerlei Möglichkeit anbieten, Wasser aufzunehmen. Oder aber, sie bieten das Wasser in völlig ungeeigneten Gefäßen an: das Gefäß zu unförmig, der Rand zum Übersteigen viel zu hoch. Besonders die kleinen Schildkröten bis zu einem Gewicht von etwa 100 g vertrocknen unter solchen Bedingungen relativ schnell, zumal sie ja bei jedem neuen Stress-Ereignis drauf los pinkeln. So geht immer mehr Wasser aus dem Organismus verloren. Das ist unweigerlich tödlich! Dabei könnte man den Tod dieser Tiere auf so einfache Weise verhindern:

Baden Sie die Tiere unter solchen widrigen Verhältnissen noch in Tunesien täglich für 5 - 10 Minuten in handwarmem Wasser! Baden Sie die Tiere auch nach Ankunft in Deutschland täglich, bis sie sich nach einigen Wochen stabilisiert haben.
Baden bedeutet: man setzt die Kleinen in ein beliebiges, sauberes Gefäß, das ein gutes Stück größer ist als die Schildkröten und einen Wasserstand von maximal der halben Panzerhöhe enthält. Trink- und Badegefäße, die im Terrarium stehen, müssen einen flachen Rand haben und für die Schildkröten gut überkletterbar sein.